Jakobskirche Weimar

Abschlusskonzert Wurzeln. Migranten in der Renaissance – Die Musikerfamilie Bassano

Sheng Fang Chiu, Andreas Böhlen, Jostein Gundersen, Martin Erhardt – Flöten

“They are four brethren, all excellent and esteemed above all other[s] in this city in their virtue.”

„Es sind vier Brüder, alle exzellent und hochgeachtet über alle anderen in der Stadt, aufgrund ihrer Fähigkeiten.“

 

(Edmont Harvel, Repräsentant von Henry VIII. in Venedig, 4. Oktober 1539)

 

 In Weimar handelt es sich um drei Brüder und eine Schwester - was jedoch der Exzellenz sicherlich nicht abträglich ist…

 

Ursprünglich kam die Familie Bassano aus der gleichnamigen Stadt in der Region Veneto. Seit 1515 sind mehrere Musiker mit Namen Bassano in Venedig nachweisbar, 1531 bereits hielt sich Alvise Bassano und drei seiner Brüder vorübergehend in England auf, in den Diensten des englischen Königs Henry VIII. Wann sie in die Serenissima zurückkehrten, ist ungewiss, aber bis 1539 wirkten sie wieder in Venedig, wo Henry’s Repräsentant sie für die besten Musiker der ganzen Stadt hielt.

 

Zwar gelten die jüdischen Wurzeln der Bassanos als nahezu gesichert, und möglicherweise steht die jüdische Identität in direktem Zusammenhang mit dem Verlassen Venedigs: Denn just hier entstand 1516 des erste „Ghetto“ der Welt – der Begriff Ghetto selbst kommt aus dem venezianischen Dialekt. Doch waren religiöse Gründe wohl nicht die einzigen Faktoren, die fünf Brüder der Bassano-Familie dazu bewogen, ab 1540 dauerhaft für den englischen König zu musizieren und nie mehr in ihre italienische Heimat zurückzukehren.

 

Die vier „Bassanos“ erzählen uns ihre klingende Geschichte, die nicht nur musikalisch, sondern auch kulturhistorisch facettenreich, bedeutsam und berührend ist. Sie improvisieren über Evenrgreens und Gassenhauer ebenso wie im Namen des Herrn - „in nomine“. Wir erleben, welche Musik diese „Gastarbeiter“ aus Venedig nach England importierten, und hören die vielgestaltige Transformation des melancholischen „Fortune my Foe“ in eine Tanzsuite. Diese italienisch-englische Alliance ist ebenso betörend wohlklingend wie tiefgründig, vielschichtig und voller Überraschungen. In England gilt Linksverkehr - auch musikalisch.

 

Cantus Firmus, Kontrapunkte, Imitationen … letztlich kommt alle Musik aus der Sprache (oder umgekehrt?) Wer kennt es nicht: Man beißt sich im Gespräch an einem Thema fest, von dem man einfach nicht wegkommt (Cantus Firmus), in einem angeregten Dialog kommt auf jedes Argument ein Gegenargument (Kontrapunkt) und beide reden gleichzeitig - oder der Partner wiederholt das gerade gesagte wortwörtlich (Imitation)… fragend, wütend, bestätigend, ironisch, liebevoll, süffisant..?! Selbst das schwierig anmutende „Hexachord“ erkennen unsre Ohren sofort: „Alle meine Entchen“.

 

Musik ist die einzige Weltsprache, die alle verstehen. Und dies selbst nach Jahrhunderten.


Künstler*innen:

 

Sheng-Fang Chiu (Wien)

Andreas Böhlen (Basel/Zürich)

Jostein Gundersen (Bergen)

Martin Erhardt (Halle/Weimar/Leipzig)

(Flöten)


Eintritt:

25,00 € / 20,00 € erm.

 

Ticktes sind erhältlich bei der:

 

Tourist Information Weimar
Markt 10 | 99423 Weimar
tourist-info@weimar.de | www.weimar.de

Ticket-Hotline: 03643 745 745


sowie ab 18.30 Uhr an der Abendkasse

Bitte beachten Sie, dass es aufgrund eventueller Beschränkungen aufgrund von Covid zu
Einschränkungen des Platzkontingents kommen kann.
Wir empfehlen Ihnen einen Ticketerwerb im Vorverkauf!

 



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