Friedhof Weimar / Trauerhalle

Erstes Weimarer Gedenkkonzert "Die Asche von Buchenwald" Für über 3.500 Buchenwald-Tote

Staatskapelle Weimar, Ltg. GMD Kirill Karabits, Markus Stockhausen, Ensemble des Instituts für Alte Musik der HfM für Musik Weimar, Ltg. Midori Seiler und Olaf Reimers

Zum Gedenken an die über 3.500 Buchenwald-Toten, die in den Jahren 1937 bis 1939 im Krematorium des Weimarer Friedhofs in und von der Stadt Weimar eingeäschert wurden.

 

Schirmherrschaft und Grußwort: Ministerpräsident Bodo Ramelow

Staatskapelle Weimar / Leitung GMD Kirill Karabits

Markus Stockhausen – Trompete / Flügelhorn

Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

Julia Gromball - Sopran, Blockflötenconsort des Instituts für Alte Musik / Leitung: Myriam Eichberger

Ensemble für Alte Musik der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar / Leitung: Olaf Reimers, Midori Seiler

 

Johann Sebastian Bach (1675–1750) / Kantate Nur Jedem das Seine BWV 163 (Weimar, 1715)
Gideon Klein (1919–1945) / Partita für Streicher (1944)
Sergei Prokofiew (1891–1953) / Ouvertüre über Hebräische Themen op. 34 (1919)
Andrej Volrab / Trauermarsch Die Toten mahnen

Romeo Wecks (geb. 1994) / Vision (nach einem Gedicht von Karl Schnog, Buchenwald 1942) 
für Gesang, Harfe, Truhenorgel und Barockvioloncello (Uraufführung )

Giordano Bruno do Nascimento (geb. 1981) / Der Häftling nach einem Gedicht von Karl Schnog, Buchenwald 1942) für Sopran und Blockflötenconsort (Uraufführung)

 

Seit August 1937 hatte des Konzentrationslager Buchenwald mit der Stadt Weimar einen Vertrag, im städtischen Krematorium auf dem Friedhof Weimar – gegen eine Gebühr von 20 Reichsmark – die Toten des Lagers einäschern zu lassen. Dabei wurden weder die Würde der Toten noch die Rechte der Hinterbliebenen beachtet. Die Toten waren Deutsche, Polen, Österreicher, Tschechen. 1500 von Ihnen wurden als Juden verfolgt, über 300 als Sinti und Roma.

Dieser Toten möchte das Konzert am Karfreitag, 2019 zugleich der Beginn des jüdischen Pessachfestes, erstmals in Weimar gedenken. An dem Konzert nehmen Vertreter aus der Politik sowie der Religionsgemeinschaften und der Opfergruppen mit Wortbeiträgen teil.

Eröffnet wird das Konzertprogramm mit der 1715 in Weimar entstandenen Kantate von J.S. Bach „Nur jedem das Seine!“, BWV 163. Diese verweist – selbstverständlich von Bach ungewollt, jedoch aus heutiger Perspektive in besonderer Weise – auf eine örtliche Koinzidenz mit dem zynischen Spruch des Lagertores von Buchenwald. Der Schriftzug „JEDEM DAS SEINE“ wurde 1938 von dem ehemaligen Bauhaus-Schüler und Buchenwald-Häftling Franz Ehrlich auf Geheiß des Lagerkommandanten gestaltet. Dass er dabei die Typografie des zu der Zeit geächteten Bauhauses verwendete, wurde von den Nationalsozialisten nicht erkannt.

 

Weitere Werke des Programmes beziehen sich auf die Erfahrung der Lager, so wurden die beiden Uraufführungen junger Komponisten nach Texten, die in Buchenwald entstanden sind, für das Gedenkkonzert komponiert. Gideon Kleins Streichtrio (dessen von Woitech Saudek instrumentierte Fassung für kleines Streichorchester erklingt) wurde im Oktober 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt vollendet und uraufgeführt– bevor der Komponist eine Woche später nach Auschwitz verbracht und am 27.1.1945 im KZ Fürstenwalde starb. Prokofiews „Ouvertüre über hebräischen Themen“ gemahnt schmerzlich daran, welche „Seelenschätze“ (Andreas Gryphius) in den Jahren des Nationalsozialismus unwiederbringlich zerstört und vernichtet wurden. Eine meditative Klangreise in eigene innere Welten öffnen in diesem aufwühlenden Kontext die Improvisationen von Markus Stockhausen.

 

Das Konzert wird aufgrund begrenzten Platzkontingents in der Trauerhalle nach draußen in in die beheizte Loggia der Trauerhalle übertragen.

 

Tickets

Trauerhalle: 28 Euro, ermäßigt 25 Euro / Zelt: 18 Euro, ermäßigt 15 Euro

Zzgl. Gebühren in den Vorverkaufsstellen

 

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Wir danken der Staatskapelle Weimar, die das Konzert als Benefiziar unterstützt, Herrn GMD Kirill Karabits, Markus Stockhausen, den jungen Künstlern und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar sowie allen mitwirkenden Künstlern wie auch den zahlreichen im Hintergrund ebenfalls Mitwirkenden für ihre engagierte, selbstlose und unterstützende Mitarbeit, ohne die dieses Konzert nicht möglich geworden wäre.

 

Planungsteam: Rikola-Gunnar Lüttgenau (Gedenkstätte Buchenwald), Nils Kretschmer (Staatskapelle Weimar), Prof. Olaf Reimers (Hochschule für Musik FRANZ LISZT), Vertreter der Stadt Weimar, Vorstand Bach in Weimar e.V. mit Prof. Myriam Eichberger und Dr. jur. Klaus Büttner.


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