In Weimar und für Weimar komponiert: J.S. Bachs Aria „Omnia cum DEO & nihil sine eo“: der Wahlspruch von Bachs Dienstherrn, Herzog Wilhelm Ernst.

Stadtschloss, Gentzsches Treppenhaus

Klingende Bach-Freske III Die Lebensuhr des Herzog Wilhelm Ernst

Bachs Geburtstagsode an Herzog Wilhelm Ernst "Alles mit Gott und nichts ohn ihn"

Johann Sebastian Bach

Aria Alles mit Gott und nichts ohn´ihn (Omnia cum Deo et nihil sine eo) BWV 1127

(1713 in Weimar komponiert, im Mai 2005 in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek wiederentdeckt)


Anna Kellnhofer - Sopran

Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar an zwei Violinen, Viola, Cello und Basso Continuo


 Glücklicherweise gibt es sie noch, die Lebensuhr des Herzogs Wilhelm Ernst. Nach dem verheerenden Schlossbrand am 6. Mai 1774 berichtete Johann Carl August Musäus: Immerhin, „auch die künstliche Uhr im Marmorsaale ist geborgen (...)“. In Klang und Bild vermittelt sie einen Einblick in das Weltbild der Zeit, insbesondere in die theologische und fromme Grundhaltung von Herzog Wilhelm Ernst, dem Dienstherrn Bachs in Weimar.

Erst kürzlich ist die Standuhr, anno 1706 vom Weimarer Uhrmacher Johann Assmann konstruiert, fertig restauriert worden. Es ist ein wahrhaft barockes, opulentes „Kunstwerk“ mit einer Fülle von Raffinessen, astronomischen und kalendarischen Daten, die zur Lebenszeit Wilhelm Ernsts in Bezug gesetzt werden. Halbstündlich setzt sich eine Bildfolge in Bewegung, um die weltliche und geistliche Ordnung im Lande zu demonstrieren. So wird die Uhr zum prächtigen Herrschaftssymbol.

 

Und die Aria? Bach komponierte sie zum 52. Geburtstag des Herzogs. Und er wäre nicht Bach, hätte er nicht eine Anzahl von offenen und verborgenen Bezügen zu diesem Ereignis direkt hineinkomponiert. Für Bachs Verhältnisse relativ „offensichtlich“: Das einleitende Motiv, vom Solo-Violoncello vorgetragen, besteht aus 52 Noten- für jedes Lebensjahr des Herzogs eine. Auffallend ist eine Art rundes, um sich kreisende melodisches Motiv – als Circulatio im Sinne barocker Figurenlehre verstanden wird es mit den Begriffen Erde oder auch Krone und Herrschaft assoziiert– eine nahe liegende Verbindung, die durch die häufige Wiederholung (barock: Emphasis) noch eine Bekräftigung erfährt. Angesichts von zwölf(!) Textstrophen im Adagio bei identischer Melodie könnte man noch auf andere Gedanken kommen ... wollte Bach vielleicht klammheimlich des Herzogs gar zu gestrenge Frömmigkeit ein wenig aufs Korn nehmen – und „verbannte“ ihn daher an seinem Geburtstag dazu, 40 Minuten identische Strophenabfolge „zu genießen“? Oder mokierte er sich mit der „circulatio-nonstop-Sequenz“ über allzu viel „gekrönte Herrscherattitüde“? Wollte er in Tönen sagen, wie viel öde Langatmigkeit der Macht innewohnt? Am Ende des Ritornells findet Bach jedoch taktweise ganz in seine ihm eigene berührende Affektsprache – übrigens nach genau 52 Takten, also dann, wenn des Herzogs aktuelle „Lebensuhr“ vollendet ist - Zufall?

Welche Absicht auch immer (noch) hinter dieser Komposition gesteckt haben mag: hier können Sie hautnah selbst erfahren, wie es ihnen geht: fromme Muße und Besinnlichkeit – oder wird der Stuhl etwas unbequem? Ein liebenswertes Stück authentischer religiöser Weimarer Musikgeschichte ist die Aria allemal – und somit schließt sich hier auch der Kreis zur Lebensuhr des Herzogs Wilhelm Ernst.

 


Eintritt: 15,– € , ermäßigt 12,– €,
*Weimar-Bonus 10,– € (keine Ermäßigung)

Inklusive 1 Glas Wein oder Wasser

 

11.30 Uhr Konzertbeginn im Gentzschen Treppenhaus

12.15 Uhr Einführung zur Lebensuhr von Herzog Wilhelm Ernst (Bernd Mende)


Karten

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