Goethe Nationalmuseum

Fest der Fuge / 1 J.S. Bach Das Wohltemperierte Clavier aus Teil 1/ BWV 846-869: Präludien und Fugen

Ying-Li-Lo – Clavichord

Eine Klang- und Zeitreise der Extraklasse im Zeitraffer: Bachs „Wohltemperiertes Clavier“ ist bis heute ein Meilenstein der Musikgeschichte. Hier besteht die seltene bis singuläre Möglichkeit, den ersten Band, der in Weimar entstand, an einem Tag auf drei verschiedenen Instrumenten sowie in jeweils ausgewählten, passenden Räumen zu erleben. Erkunden Sie selbst den enormen klanglichen Wandel und die reizvollen Unterschiede durch die Jahrhunderte vom barocken Clavichord und Cembalo bis zum Konzertflügel des 21. Jahrhunderts … wer hier eintaucht, kann sich an Bach berauschen!

Unsere Empfehlung: Alle drei Rezitals als „Paket“ zum Sonderpreis

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Programm

Präludium und Fuge in:
C-Dur
c-moll
Cis-Dur
D-Dur
d-moll
es/dis-moll
E-Dur
F-Dur
G-Dur
Fis-Dur
g-moll
As-Dur
a-moll
B-Dur
H-Dur

 

Gesamtdauer: circa 70 Minuten

 

 

Ying-Li Lo, in Taiwan geboren, absolvierte zunächst ein Klavierstudium bei Thomas Steinhöfel an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Anschließend studierte sie Cembalo, Generalbass und Historische Tasteninstrumente bei Bernhard Klapprott am dortigen Institut für Alte Musik mit den Abschlüssen Künstlerisches Diplom und Konzertexamen Cembalo sowie Master of Music Historische Tasteninstrumente (Clavichord, Hammerclavier, Orgel) „mit Auszeichnung“. Ergänzend besuchte sie Meisterkurse für Cembalo und Generalbass bei Bob van Asperen, Kristian Nyquist, Giedrė Lukšaitė-Mrázková, Barbara Maria Willi u. a. Als Solistin sowie in verschiedenen Kammermusikformationen konzertiert sie auf Cembalo, Clavichord und Fortepiano z. B. bei den Tagen Mitteldeutscher Barockmusik, den Clavichordtagen der Deutschen Clavichord Societät, der Bach Biennale Weimar, in der Konzertreihe des Bachhauses Eisenach sowie in Taiwan. Seit 2012 ist sie Lehrbeauftragte für Nebenfach Cembalo und Korrepetition Historische Tasteninstrumente am Institut für Alte Musik der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Seit 2018 unterrichtet sie zudem an der Musik- und Kunstschule Jena.

 

 

Das Wohltemperierte Clavier oder die erste „Enzyklopädie“ aller Tonarten… 

Form follows Fuge! Im Kosmos von Bachs Werken ging für die Meister des Bauhauses die größte Faszination von Bachs Fugenkompositionen aus; Fugen wurden gemalt und plastiziert, wie zum Beispiel die „Fuge in Rot“ Paul Klees (siehe Titelbild dieser Homepage), oder die Skultptur der Fuge in es-moll aus Bachs Wohltemperierten Clavier von Henri Nouveau.

Fasziniert hat die Bauhaus-Meister die Vielschichtigkeit dieser Werke, in denen bis zu fünf Stimmen übereinander, gegeneinander oder auch parallel verlaufen und erklingen. Studien zeigen, dass man anno 1919 in Weimar versuchte, für diese stupende Gleichzeitigkeit „optische Pendants“ zu finden. „Das zeitliche Element ist zu eliminieren. Gestern und Morgen als Gleichzeitiges“ schrieb Paul Klee in sein Tagebuch.
Aber auch Bachs architektonische Fähigkeit, die Tonarten in den Präludien und Fugen exemplarisch durch horizontale und zugleich vertikale Klangkonstruktionen zu definieren, oder der bewusste Kontrast zwischen improvisatorischen, freien Satz (= Präludien) und der thematischen strengen Durchführung der Fugen dürfte für reichlich Inspiration gesorgt haben.

 

Wir möchten diesen musikalischen Meilenstein aus verschiedenen Perspektiven erlebbar machen: Auf dem Clavichord, dem vielleicht beliebtesten Tasteninstrument des 18. Jahrhunderts das noch Mozart als „Reisegefährte“ diente und  auch von Beethoven hochgeschätzt wurde, ebenso wie auf dem Cembalo, dem „Generalbassinstrument“ der Epoche, auf dem Bach selbst unvergleichlich brillierte. Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums zudem auf dem modernen Klavier, über dessen Klangsprache die meisten der Bauhaus-Künstler die Bekanntschaft mit Bachs Werken gemacht haben dürften.
Die entsprechenden Räume haben wir passend dazu ausgewählt: Die präzise, kristalline akustische Klarheit des Saals im Goethe-Nationalmuseum für das delikate Clavichord, die warmen, runden und „holzigen“ Tonfarben der Jakobskirche für das Cembalo und den modernen, gezeichneten Saal des Belvedere mit der wunderbaren Aussicht ins Grüne für das Klavier-Rezital.

 

Der erste Band des Wohltemperierten Claviers entstand wohl größtenteils in Weimar, und zwar an einem für die Entstehung epochemachender Werke der Musikgeschichte eher außergewöhnlichen Ort: Der Arrestzelle in der Weimarer „Bastille“, wo Bach im November 1717 wegen „Halßstarriger Bezeugung“ einen vierwöchigen Arrest absaß. Diese Vermutung liegt zumindest sehr nahe, denn Ernst Ludwig Gerber (dessen Vater ein Leipziger Schüler Bachs war) berichtet, Bach habe den ersten Teil des Wohltemperierten Claviers „an einem Orte geschrieben wo ihm Unmuth, Langeweile und Mangel an jeder Art von Musicalischen Instrumenten diesen Zeitvertreib abnöthigte“.
Das Wohltemperierte Clavier basiert auf einem System von 24 Tonleitern in jeweils zwölf Dur - und Molltonarten – konzipiert möglicherweise für das damals neuartige Stimmsystem von Andreas Werckmeister, der sogenannten „wohltemperierten“ (!) Stimmung. Diese sieht die Einteilung der Oktave in zwölf nahezu gleiche Halbtonschritte vor, weswegen alle 12 Dur- und Molltonarten relativ „rein“ intoniert klingen.
Mit dem Wohltemperierte Clavier setzt Bach einen Meilenstein der Musikgeschichte, indem er völliges Neuland betritt und demonstriert, dass sich Werckmeisters System nicht nur theoretisch, sondern realiter erklingend auf 24 Tonarten anwenden ließ.
Der berühmte Bach-Forscher Christoph Wolff formuliert: „Mit dem Wohltemperierten Clavier setzt Bach absolut neue Maßstäbe, was die technischen Anforderungen wie kompositorischen und ästhetischen Prinzipien betrifft.“

 

 

Tickets

15 Euro

Ermäßigung 10 Euro

Gesamtticket Fest der Fuge 1-3: 45 Euro, ermäßigt 35 Euro

Zzgl. Gebühren in den Vorverkaufsstellen


Karten

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