Goethe Nationalmuseum

Fest der Fuge / 1 J.S. Bach Das Wohltemperierte Clavier aus Teil 1/ BWV 846-869: Fugen und Präludien

Ying-Li-Lo – Clavichord

Das Wohltemperierte Clavier oder die erste „Enzyklopädie“ aller Tonarten… 

Im Kosmos von Bachs Werken ging für die Meister des Bauhauses die größte Faszination von Bachs Fugenkompositionen aus; Fugen wurden gemalt und plastiziert, wie zum Beispiel die „Fuge in Rot“ Paul Klees (siehe Titelbild dieser Homepage), oder die Skultptur der Fuge in es-moll aus Bachs Wohltemperierten Clavier von Henri Nouveau.

Angeregt  hat die Bauhaus-Meister die Vielschichtigkeit dieser Werke , in denen bis zu fünf Stimmen übereinander, gegeneinander oder auch parallel verlaufen und erklingen. Studien zeigen, dass man anno 1919 in Weimar versuchte, für diese stupende Gleichzeitigkeit „optische Pendants“ zu finden. „Das zeitliche Element ist zu eliminieren. Gestern und Morgen als Gleichzeitiges“ schrieb Paul Klee in sein Tagebuch.

Aber auch Bachs architektonische Fähigkeit, die Tonarten in den Präludien und Fugen exemplarisch durch horizontale und zugleich vertikale Klangkonstruktionen zu definieren, oder der bewusste Kontrast zwischen dem improvisatorischen, freien Satz (= Präludien) und der thematischen, strengen Durchführung der Fugen dürften für reichlich Inspiration gesorgt haben.

Wir möchten diesen musikalischen „Meilenstein“ aus verschiedenen klanglichen Richtungen in jeweils dazu passender Akustik erlebbar machen: Auf dem Clavichord, dem vielleicht beliebtesten Tasteninstrument des 18. Jahrhunderts, das noch als „Reisegefährte“ Mozart diente und ebenso von Beethoven hochgeschätzt wurde, ebenso wie auf dem Cembalo, dem „Generalbassinstrument“ der Epoche, auf dem Bach selbst unvergleichlich brillierte. Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums zudem auf dem modernen Klavier, über dessen Klangsprache die meisten der Bauhaus-Künstler die Bekanntschaft mit Bachs Werken gemacht haben dürften.

Die entsprechenden Räume haben wir passend dazu ausgewählt: Die präzise, kristalline akustische Klarheit des Saals im Goethe-Nationalmuseum für das delikate Clavichord, die warmen und runden Tonfarben der Jakobskirche für das Cembalo und den modernen, gezeichneten und akustisch sehr präsenten Saal des Belvedere mit der wunderbaren Aussicht ins Grüne für das Klavier-Rezital. Empfehlung: alle drei Rezitals als „Paket“ zum Sonderpreis!

 

Der erste Band des Wohltemperierten Claviers entstand wohl größtenteils in Weimar, und zwar an einem für die Entstehung epochemachender Werke der Musikgeschichte eher außergewöhnlichen Ort: Der Arrestzelle in der Weimarer „Bastille“, wo Bach im November 1717 wegen „Halßstarriger Bezeugung“ einen vierwöchigen Arrest absaß. Diese Vermutung liegt zumindest sehr nahe, denn Ernst Ludwig Gerber (dessen Vater ein Leipziger Schüler Bachs war) berichtet, Bach habe den ersten Teil des Wohltemperierten Claviers „an einem Orte geschrieben wo ihm Unmuth, Langeweile und Mangel an jeder Art von Musicalischen Instrumenten diesen Zeitvertreib abnöthigte“.

 Das Wohltemperierte Clavier basiert auf einem System von 24 Tonleitern in jeweils zwölf Dur - und Molltonarten – konzipiert offenbar  für das damals neuartige Stimmsystem von Andreas Werckmeister, der sogenannten „wohltemperierten“ (!) Stimmung. Diese ermöglichte neuerlich in allen 12 Dur- und Molltonarten spielen zu könnnen, da die Halbtonschritte in der Einteilung der Oktave untereinander etwas mehr angeglichen wurden.*

 Mit dem Wohltemperierte Clavier setzt Bach einen Meilenstein der Musikgeschichte, indem er völliges Neuland betritt und demonstriert, dass sich Werckmeisters System nicht nur theoretisch, sondern realiter erklingend auf 24 Tonarten anwenden ließ. Christoph Wolff formuliert: „Mit dem Wohltemperierten Clavier setzt Bach absolut neue Maßstäbe, was die technischen Anforderungen wie kompositorischen und ästhetischen Prinzipien betrifft.“

 

Ying-Li Lo, in Taiwan geboren, absolvierte zunächst ein Klavierstudium bei Thomas Steinhöfel an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Anschließend studierte sie Cembalo, Generalbass und Historische Tasteninstrumente bei Bernhard Klapprott am dortigen Institut für Alte Musik mit den Abschlüssen Künstlerisches Diplom und Konzertexamen Cembalo sowie Master of Music Historische Tasteninstrumente (Clavichord, Hammerclavier, Orgel) „mit Auszeichnung“. Ergänzend besuchte sie Meisterkurse für Cembalo und Generalbass bei Bob van Asperen, Kristian Nyquist, Giedrė Lukšaitė-Mrázková, Barbara Maria Willi u. a. Als Solistin sowie in verschiedenen Kammermusikformationen konzertiert sie auf Cembalo, Clavichord und Fortepiano z. B. bei den Tagen Mitteldeutscher Barockmusik, den Clavichordtagen der Deutschen Clavichord Societät, der Bach Biennale Weimar, in der Konzertreihe des Bachhauses Eisenach sowie in Taiwan. Seit 2012 ist sie Lehrbeauftragte für Nebenfach Cembalo und Korrepetition Historische Tasteninstrumente am Institut für Alte Musik der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Seit 2018 unterrichtet sie zudem an der Musik- und Kunstschule Jena.

 

Tickets

15 Euro

Ermäßigung 10 Euro

Gesamtticket Fest der Fuge 1-3: 45 Euro, ermäßigt 35 Euro


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