Spielorte

Die BACH BIENNALE WEIMAR erklingt ausschließlich in Sälen, die den Klang der Originalinstrumente optimal zur Geltung bringen, größtenteils aus der Bachzeit oder dem unmittelbaren Umfeld. Denn so wie ein barockes Fresko in Proportion und Farbgebung vom Künstler für einen bestimmten Raum und Zweck maßgeschneidert wurde, stellten Architekten im Barock komplizierte akustische Berechnungen darüber an, wie ein Saal proportioniert und ausgestattet sein musste, damit er seine – oftmals auch musikalische - Funktion ideal erfüllen konnte. OriginalKlang und KlangRaum gehören für uns zusammen.


Hier stellen wir Ihnen die Klangräume der Sonderveranstaltung der Bach Biennale Weimar am 2. Dezember 2017 vor:

Schießhaus Weimar

Kein geringerer als Minister Johann Wolfgang Goethe beauftragte den auch im Stadtschloss tätigen Architekten Gentz 1804 mit dem Bau des Weimarer Ballhauses. Diese Inkunabel des Klassizismus hat im Brenta-Tal des italienischen Veneto einige Geschwister: Gentz hatte auf einer Italienreise die Villen Palladios studiert und integrierte viele Elemente Palladios in das „liebliche Weimarer Lustgebäude“ (Goethe). Mit seinen perfekten Proportionen, der genialen Lichtregie und dem idyllischen Blick ins Grüne ist es ein beeindruckendes Ambiente. Hier gelingt jedoch auch akustisch die Quadratur des Kreises: vorwiegend glatte, schwingende Holzflächen sowie großzügige aufeinander bezogene Rundungen wie die 12 Meter hohe Tonnengewölbedecke, die Kuppel der verglasten Loggia und die gerundete Volte der Musikerempore kreieren eine im gesamten Raum stupende Akustik für historische Instrumente, die bei Vokal- wie Instrumentalmusik gleichermaßen klar und transparent wie sonor, delikat und zugleich kraftvoll ist.

Johann-Heinrich-Gentzplatz 1
99423 Weimar
(vormals: Am Schießhaus 1,
99425 Weimar)

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Jakobskirche

Ebenfalls von der Bachzeit geprägt ist die barocke Jakobskirche, die 1713 - in Bachs Weimarer Jahren - von Herzog Wilhelm Ernst gebaut wurde und eine klassizistische Innenausstattung hat. Architektonisch erinnert sie mit ihrer schmalen Gestalt und den hohen Emporen an die abgebrannte „Himmelsburg“ im Stadtschloss. Die Holzdielen und hölzernen Emporen verleihen dem Raum nicht nur optisch, sondern auch akustisch eine quasi „häusliche“ Weichheit und Wärme, die sich sehr gut für die intimen Farben von Kammermusik eignet. Zugleich erlaubt die vielschichtige Raumstruktur im Konzertbereich jedoch auch ein Experimentieren mit verschiedenen Bühnen-/bzw. Spielpositionen der Ausführenden und quasi theatralischen Effekten – durchaus im Sinne der barocken Affektsprache.

Jakobskirche
Am Jakobskirchhof
99423 Weimar

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Kirche St. Ursula, Taubach

Ein authentischer Bachort: die 1705 erstellte Orgel von Nicolaus Tröbs ist am 26. Oktober 1710 von „Herr Bach, der Fürstlichen Capälle organist“ nachweislich „examinieret wie auch der ganßen gemeinte mit großer Freude Eingeweihet worden.“

Die Kirche wurde mehrfach renoviert, 1820 hat „Goethes Baumeister“ Coudray Grund- und Aufriss für eine neue Kirche gezeichnet. Sein Plan diente 1848 als Grundlage für den fast vollständigen Neubau. Damals entstand eine neuromanische, keine klassizistische Kirche mehr, und die Kirche wird heute als „frühes Beispiel denkmal­pflegerischer Aktivität“ gewertet. Sie stellt eine große Halle dar mit Westturm und östlicher Rundapsis, vier großen Rundbogenportalen in der Mitte der drei Seiten und der Apsis, großen Rundbogenfenstern und umlaufendem Rundbogenfries.

Kirche St. Ursula
Kirchplatz
99425 Weimar / Taubach

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