
Bis 2017, also bis 300 Jahre nach dem Weggang Bachs aus Weimar, wird die
BACH BIENNALE WEIMAR sich thematisch an das anlehnen, was Bachs
Biografie 300 Jahre zuvor bestimmte und beeinflusste.
Daher also:
Weimar Anno 1712 ...
der Hoforganist Bach, Lutherischen Bekenntnisses, ist seit vier Jahren
in Diensten am herzoglichen Hof. Mit seinen 23 Jahren ist Bach ein
fertiger Meister, sein Stil ist von solcher Perfektion, dass die
Datierung von Jugend- und/oder Alterswerken für die Musikwissenschaft
bis heute Diskussionsstoff bietet und oftmals unsicher ist. Bach stammt
aus der reichen, stark von der Musik der Reformation geprägten
Musiktradition Thüringens. Er schreibt für die Orgel, fürs Cembalo, er
versieht seinen Dienst in der Hofkirche, der „Himmelsburg.
Der Nekrolog vermerkt zu Bachs Tätigkeit: „... das Wohlgefallen seiner
gnädigen Herrschaft an seinem Spielen, feuerte ihn an, alles mögliche in
der Kunst, die Orgel zu handhaben, zu versuchen...“. So habe Bach in
Weimar also „die meisten seiner Orgelstücke gesetzet.“
Christoph Wolff vermutet in seiner Bach-Biografie umfangreiche
Aktivitäten Bachs an der Orgel: „ ... Vielleicht wurden auf Bitte von
Herzog Ernst August oder zur Unterhaltung der beiden herzoglichen
Familien, ihrer Gäste und auswärtiger Würdenträger und anderer
Interessierter des öfteren Orgelkonzerte veranstaltet, oder Bach spielte
häufiger noch eine Weile nach Beendigung des Gottesdienstes.
Gleichermaßen wird er Solodarbietungen auf dem Cembalo gegeben haben,
wenn sich Gelegenheit bot.“ (aus: Christoph Wolff: Johann Sebastian
Bach, Fischer Verlag) Zu den in Weimar entstandenen Orgelwerken zählt
auch das „Orgelbüchlein“, eine umfangreiche Sammlung kurzer Orgelchoräle
über die Melodien des Lutherischen Gesangbuchs. Albert Schweitzer
nannte es „das Wörterbuch der Bachschen Tonsprache.“
Da passiert Unvorhergesehenes - eine Reise schreibt Musikgeschichte. Der
junge Prinz Johann Ernst, Bachs musikalisch hochbegabter Schüler,
bringt von einer Bildungsreise nach Amsterdam und Utrecht im Frühjahr
1713 Noten mit nach Weimar – Musik aus Italien. Und gleich soviel davon,
dass in der Bibliothek des „Roten Schlosses“ zu deren Unterbringung
sogar neue Notenregale angebracht werden mussten! Bachs intensive
Beschäftigung mit der Musik Italiens beginnt daraufhin in Weimar, und
verleiht seiner Musik lebenslang einen „italienischen Akzent“.
Er bearbeitet für die Orgel und das Cembalo, z.B. Werke von
Antonio Vivaldi (aus dem „L ´Estro armonico“), von Alessandro und
Benedetto Marcello, sowie von Giuseppe Torelli. Bach entdeckte und
studierte hierdurch den neuen italienischen Typus des „Concerto“. Diese
Beschäftigung beeinflusst auch seinen eigenen Kompositionsstil: Er
schreibt Stücke, die diesem neuen Typus verpflichtet sind, wie z.B. die
Orgel Toccata F-Dur BWV 540 oder das Präludium der „Englischen Suite“ in
g-moll, BWV 808. (nach: Christoph Wolff: „Johann Sebastian Bach“ ,
s.o.)
Aber auch Werke wie z.B. die „Brandenburgischen Konzerte“ wären ohne den Einfluss aus Italien so nicht denkbar.


